Was ist die Blockchain?

Obwohl der Prozess der digitalen Transformation bereits seit Jahrzehnten vonstattengeht, wurde er erst in den letzten Jahren in der breiten Allgemeinheit thematisiert. Ein Begriff, bzw. die dahinterstehende Technologie, hat dabei wie keine andere den Startschuss für diese mediale Aufmerksamkeit gegeben: die “Blockchain”. Doch dahinter versteckt sich mehr als nur ein hochinteressantes System zur Datenspeicherung.

Gleichzeitig galt diese Technologie jedoch lange Zeit als für Laien unverständlich und sinnbildlich für eine Entkoppelung der Welt der Informationstechnologie von der Realität. Speziell die Verbindung zu Kryptowährungen, insbesondere der ursprünglichen Bitcoin, trug hierzu bei:  der Ruf der Undurchsichtigkeit und Verwendung für kriminelle Machenschaften, der diesen Währungen anhaftete, übertrug sich teilweise auch auf die Idee der Blockchain selbst.

In der Zwischenzeit haben sich die meisten dieser Vorurteile glücklicherweise aufgelöst. Und auch der Mythos, das Konzept Blockchain sei besonders schwer zu verstehen, ist falsch. Hier der Beweis:

Definition Blockchain

Eine Blockchain ist, wie der Name schon sagt, eine Kette von Blöcken. Jeder dieser Blöcke enthält einen Datensatz und kann somit verwendet werden, um Informationen zu speichern. Was genau der jeweilige Inhalt ist, spielt dabei eigentlich keine Rolle, solange der Bezug zum vorhergehenden Block stimmt. Denn nur, wer den letzten Block durch einen speziellen Hashcode korrekt “zitiert” und so seine Befugnis beweist, darf ein neues Element anfügen.

Anstatt aber wie bei anderen Speichersystemen Daten nach Belieben hinzufügen, verändern oder löschen zu können, besteht hier nur die Möglichkeit, einen neuen Block anzuhängen. Dieser kann entsprechend neue Informationen enthalten – ein direktes Bearbeiten oder Löschen bestehender Blöcke ist aber nicht möglich.

Möchte ich einen Wert, der zum Beispiel in Block X gespeichert ist, löschen, bleibt mir nichts anderes übrig, als einen neuen Block anzufügen, der die Information “Wert in Block X gilt nicht mehr” enthält. Da eine Blockchain üblicherweise nicht an einem zentralen Ort, sondern an verschiedenen Positionen verteilt gespeichert ist und alle Änderungen in Form eines Blockes nachvollziehbar sind, ist die Technologie extrem sicher gegen Fälschungsversuche.

Definition Digitalisierung

Unter Digitalisierung versteht man, ganz nüchtern betrachtet, lediglich das Übertragen von ehemals analogen Vorgängen hin zu Digitalen. Auch wenn uns dieser und ähnliche Begriffe aktuell verstärkt begegnen, handelt es sich dabei doch um einen sehr alten und einfachen Prozess, denn fast jede Form von Digitalisierung wird mit Effizienzsteigerungen, Kostensenkungen und neuen, bisher ungekannten Möglichkeiten belohnt. Kein Wunder also, dass wir Menschen schon immer sehr an ihr interessiert waren.

Durch den immer schneller werdenden technischen Fortschritt und die wechselseitige Unterstützung (neue Technologien ermöglichen neue Technologien ermöglichen neue Technologien …) gewann die Digitalisierung in den letzten Jahren derart an Geschwindigkeit, dass sie mittlerweile in alle Bereiche unseres Lebens eingedrungen und von dort nicht mehr wegzudenken ist. Diese Digitale Transformation ist ein technologischer, soziokultureller, wirtschaftlicher und intellektueller Prozess, der gigantische Umwälzungen mit sich bringt.

Insbesondere für Unternehmen entstehen durch die Digitale Transformation bisher ungeahnte Möglichkeiten – sie lauert jedoch auch mit erheblichen Gefahren auf, insbesondere, wenn sie ignoriert wird.

Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen

Zu den bekanntesten Einsatzgebieten zählen zweifellos die Kryptowährungen. Dies sind mittlerweile hunderte rein digitale Währungen, die ganz unterschiedliche Werte repräsentieren, darunter auch reale Güter: Wer etwa eine “Bananacoin” erwirbt, deren Wert an den Exportpreis eines Kilos Bananen gekoppelt ist, kann diese auch tatsächlich gegen ein Kilo Bananen eintauschen.

Andere Währungen repräsentieren abstrakte Konzepte, wie etwa Rechenleistung. Spätestens seit dem Erfolg moderner Cloud Computing Systeme ist klar, dass es für Rechenoperationen einen riesigen Markt gibt. Wieso diese Werte also nicht als Kryptowährung abbilden?

Die stetig wachsende Anzahl dieser Einheiten haben jedoch (fast) alle die Verwendung der Blockchain Technologie gemeinsam. Dieses Speichersystem ist die technische Grundlage für Bitcoin und Co.

Die nachfolgenden Anwendungsbeispiele haben alle gemein, dass sie bisher nur theoretische Konzepte darstellen oder bestenfalls in den Kinderschuhen stecken. Grund für die äußerst langsame Umsetzung ist dabei jedoch nicht die technische Schwierigkeit, sondern soziale und wirtschaftliche Ablehnung: Banken weigern sich standhaft, ihre zentrale Machtposition am Finanzmarkt an eine gemeinschaftliche verwaltete, kostenlose Blockchain abzugeben und tun ihr Möglichstes, solche Bestrebungen zu torpedieren. Unternehmen lehnen die Systeme ab, die den Endverbrauchern mehr Übersicht über Produktionsmethoden bieten würden, da sie sich nicht in die Karten sehen lassen wollen. Nationalstaaten und ihre gigantischen Verwaltungsapparate wollen keinesfalls Identitätsnachweise digitalisieren, weil sie dadurch selbst in weiten Teilen überflüssig würden…

Supply Chain Management

Auf dem Weg vom Rohstoff zur Fabrik zum Händler zum Kunden kann einiges schiefgehen. Plötzlich steht der bis dahin erwartungsfrohe Kunde mit einem gefälschten Designerprodukt da oder ein Restaurant hat verdorbene Lebensmittel erhalten. Durch den Blockchaineinsatz kann dies vermieden  – oder zumindest alle Schritte, die dahin führten, nachverfolgt werden.

Hierzu werden Produkte in einer Blockchain erfasst. Auch Arbeitsschritte, Transport usw. werden an diese Kette angehangen, bis der Herstellungsprozess abgeschlossen ist. Ist die Ware letztlich beim Kunden angekommen (egal, ob Privatperson oder Unternehmen), lassen sich alle bisher absolvierten Schritte nachvollziehen.

Da das System de facto fälschungssicher ist, würden Ungereimtheiten direkt offensichtlich werden. Und da die jeweils nächste Station entlang der Kette nicht für eventuelle Schäden verantwortlich sein möchte, würden Probleme darüber hinaus direkt gemeldet. Durch die Überprüfbarkeit der Lieferkette entsteht so höhere Sicherheit für alle Beteiligten.

Derartige Systeme sind durch Handscanner, QR Codes, Tracking-Chips usw. längst mit überschaubarem technischem Aufwand realisierbar.

Rechtssicherheit für Dokumente

Durch die Fälschungssicherheit und den in den einzelnen Blöcken gespeicherten Nachweis aller Interaktionen sind generell alle Arten von wichtigen Informationen in einer Blockchain ideal aufgehoben. Ein besonders lohnenswertes Beispiel sind dabei Besitzurkunden, die sicher und zugänglich aufbewahrt werden müssen.

Notare stellen den analogen Versuch dar, diese Dokumente vor Fälschung, Veränderung usw. zu bewahren. Auch, wenn dies fast immer gelingt, bleibt das bisherige Konzept langsam und nicht vollständig sicher. In der digitalen Variante hingegen lassen sich die Daten in Sekundenschnelle aufrufen und durch ein Prüfen des Hashcodes zuverlässig auf Manipulationen untersuchen.

Ein weiterer Einsatzbereich sind Ausweise/Identitätsnachweise: die digitale Identitätsfeststellung, wie sie heute beispielsweise durch das Video-Ident-Verfahren durchgeführt wird, ist nach wie vor unsicher und fehlerbehaftet. Geschickte Fälscher können durch Bildbearbeitungstechnologie oder gefälschte Ausweise solche Systeme überlisten und richten damit regelmäßig erhebliche Schäden an.

Mit einer Blockchain-basierten Identifikation hingegen können sich Neukunden eindeutig und fälschungssicher ausweisen und so im Handumdrehen für ein neues Bankkonto anmelden oder ihr Alter verifizieren, bevor sie einschlägige Internetseiten besuchen dürfen. Da diese Daten verschlüsselt vorliegen, ist ein unerwünschter Zugriff ausgeschlossen: der Inhaber muss die entsprechende Berechtigung geben, bevor eine Person oder Unternehmen auf sie zugreifen kann.

Aber die Möglichkeiten enden hier noch nicht: auch Wahlen komplett digital abzuwickeln ist möglich, wenn ein Bürger seine Identität einwandfrei verifizieren kann. Insbesondere im Kontext der Covid-19-Pandemie zeigt sich die Notwendigkeit solcher Verfahren um Menschenansammlungen (Wahlen, Prüfungen an Schulen und Universitäten, Besuche von Anwälten, Therapeuten und allen anderen Terminen, die privat ablaufen…) zu vermeiden.

So könnte die Einstellung eines neuen Mitarbeiters in Pandemie-Zeiten komplett kontaktlos ablaufen, da wichtige Daten digital übermittelt und durch die Blockchain eindeutig überprüfbar wären.

Geistiges Eigentum

Wenn es um die Frage geht, wer die Rechte an einer bestimmten Idee, Erfindung, künstlerischem Werk etc. hat, ist immer wieder der Zeitpunkt ausschlaggebend: Wer hatte die Idee zuerst? Wer hat das Lied zuerst komponiert? Wer hat dieses Produkt zuerst erfunden? Wer hat diesen Text zuerst geschrieben? Ein Erfassen geistigen Eigentums in einer Blockchain würde diese Fragen ein für alle Mal klären.

Hierbei kommen erneut die mehrfach erwähnten Eigenschaften Fälschungssicherheit und Nachvollziehbarkeit zum Tragen: Wer die jeweilige Arbeit zuerst in die Datenbank eingetragen hat, ist der geistige Eigentümer und kann von seinen Rechten entsprechend Gebrauch machen. Dies würde Millionen von Künstlern rund um die Welt befähigen, missbrauch ihrer Werke zu verhindern oder zu ahnden. Deutsche Unternehmen könnten effektiv gegen fernöstliche Plagiate ihrer Produkte vorgehen und das Patentsystem generell revolutioniert werden.

Grundlage des Konzepts ist allerdings eine möglichst breite, idealerweise weltweite Nutzerbasis. Insellösungen einzelner Staaten dürften nur eine eingeschränkte Wirkung entfalten.

Buchhaltung und Finanzen

Aufgrund seiner Struktur der aufeinander aufbauenden Blöcke besitzt das Konzept Blockchain einige Ähnlichkeit mit der klassischen doppelten Buchführung. Der Einsatz für Selbige ist daher naheliegend und bringt einige Vorteile mit sich, darunter die deutlich geringeren Softwarekosten für Blockchainbasierte Anwendungen.

Durch die Nachvollziehbarkeit können Manipulationen de facto ausgeschlossen werden und auch menschliches Versagen wäre leicht nachvollziehbar und einfach zu beheben. Auch die Aufwände zur Finanzprüfung würden sich um ein vielfaches Verkürzen und gleichzeitig präziser und sicherer werden.

Mittels teilweise sehr abstrakter Konzepte, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden, lassen sich mit der Technologie auch bisher nicht oder kaum quantifizierbare Werte, wie etwa Daten, zumindest näherungsweise Erfassen. Damit lässt sich der Betrachtungsraum des Controllings auf Bereiche eines Unternehmens ausweiten, die in der Vergangenheit als zu ungenau oder umfassend erachtet wurden.

4.     Reale Einsatzbeispiele

Während die zuvor beschriebenen Einsatzmöglichkeiten oft noch weit von der Umsetzung entfernt sind, wird Blockchaintechnologie bereits heute in zahlreichen Unternehmen und Behörden rund um die Welt verwendet.

Generell ist immer, wenn Daten sicher gespeichert, Nachvollziehbarkeit gegeben und der Zugriff einfach möglich sein soll eine Blockchain sinnvoll.

Im Bereich Asset Management verwenden Kunstgalerien bereits heute Blockchainbasierte Datenbanken, um die Echtheit eines Kunstwerks einwandfrei nachweisen zu können.

Finanzapps ermöglichen den Investoren ein kontinuierliches Tracking ihrer Anlagen und bieten Sicherheit vor Hackerangriffen und anderen Manipulationen durch ihre blockchainbasierte Architektur.

Kryptowährungen auf Blockchainbasis erlauben schon heute internationale Geldtransfers zu einem Bruchteil der sonst üblichen Preise. Sender und Empfänger müssen hierfür keine Kryptowährungen besitzen: sie wickeln ihre Geschäfte wie gewohnt in Dollar, Euro und Co. ab und bemerken von den im Hintergrund ablaufenden Prozessen nichts.

Grundbucheintragungen für Weideland in Kenia und Ghana werden via Blockchain erfasst und gespeichert. Das Projekt der beiden Staaten lief erfolgreich an und soll weiter ausgebaut werden.

Fazit

Die Blockchaintechnologie bietet einige interessante Anwendungsfälle und hat das Potenzial, zahlreiche unternehmerische sowie alltägliche Prozesse zu optimieren. Durch den oft zweifelhaften Ruf von Kryptowährungen und der Verknüpfung dieser in den Köpfen der breiten Masse sowie das Image der hohen Komplexität bleiben die Möglichkeiten der Blockchain jedoch oft ungenutzt.

Der Erfolg des Systems weitet sich aber stetig auf neue Bereiche aus und bewirkt Stück für Stück ein Umdenken. Unternehmen sind daher gut beraten, ihre Vorbehalte gegen die Technologie abzulegen oder zumindest genau zu prüfen, ob diese Fakten oder Bauchgefühl basiert sind.