Kann ein Auto mit anderen Verkehrsteilnehmern, dem Internet oder dem Telefonnetz kommunizieren, spricht man von einem Connected, also: verbundenem, Auto. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei mannigfaltig: Sie reichen von Notfallkommunikation bei Unfällen über Warnungen bei auftretenden Schäden bis hin zur reinen Unterhaltung der Insassen.

Es wird heute zusehends schwieriger, ein Auto ohne ein solches System zu erwerben – die Beliebtheit ist ungebrochen. Während Datenschützer zwischen misstrauisch und schockiert reagieren, schätzen Nutzer den zusätzlichen Komfort, die schnellen Internetverbindungen und das zusätzliche Sicherheitsgefühl, das Connected Cars ihnen bieten. 

Als perfektes Beispiel für die fortschreitende Digitalisierung symbolisieren auf diese Weise vernetzte Fahrzeuge zahlreiche aktuelle Entwicklungen: Einstmals rein mechanische Objekte werden mit mehr und mehr digitaler Technologie ausgestattet, untereinander vernetzt und erleichtern uns so den Alltag. Mit der digitalen Transformation einher geht außerdem ein Zuwachs von neuen Anwendungsmöglichkeiten und Services, in diesem Fall: Unterhaltungsangebote, Telefonieren im Auto, direkter Kontakt zu Wartungs- und Serviceeinrichtungen, GPS-Gestützte Navigation und vieles mehr, die uns vormals schlicht nicht zur Verfügung standen.

Definition Digitalisierung

Unter Digitalisierung versteht man, ganz nüchtern betrachtet, lediglich das Übertragen von ehemals analogen Vorgängen hin zu Digitalen. Auch wenn uns dieser und ähnliche Begriffe aktuell verstärkt begegnen, handelt es sich dabei doch um einen sehr alten und einfachen Prozess, denn fast jede Form von Digitalisierung wird mit Effizienzsteigerungen, Kostensenkungen und neuen, bisher ungekannten Möglichkeiten belohnt. Kein Wunder also, dass wir Menschen schon immer sehr an ihr interessiert waren.

Durch den immer schneller werdenden technischen Fortschritt und die wechselseitige Unterstützung (neue Technologien ermöglichen neue Technologien ermöglichen neue Technologien …) gewann die Digitalisierung in den letzten Jahren derart an Geschwindigkeit, dass sie mittlerweile in alle Bereiche unseres Lebens eingedrungen und von dort nicht mehr wegzudenken ist. Diese Digitale Transformation ist ein technologischer, soziokultureller, wirtschaftlicher und intellektueller Prozess, der gigantische Umwälzungen mit sich bringt.

Insbesondere für Unternehmen entstehen durch die Digitale Transformation bisher ungeahnte Möglichkeiten – sie lauert jedoch auch mit erheblichen Gefahren auf, insbesondere, wenn sie ignoriert wird.

Die Anfänge der Connected Cars

Im Jahre 1996, als Handys noch bei weitem nicht in allen Hosen- und Handtaschen zu finden waren und man von modernen Smartphones noch nicht einmal träumen konnte, startete General Motors seinen Dienst “OnStar”. Dieser bot den Fahrzeugen, in denen das entsprechende Gerät verbaut wurde, eine Notfall-Hotline über das Mobilfunknetz. Im Falle eines Unfalls wurde so Verbindung mit einem eigens eingerichteten Callcenter hergestellt und Rettungskräfte deutlich schneller als üblich alarmiert. Da jede eingesparte Sekunde in derartigen Situationen buchstäblich lebensentscheidend sein kann, entwickelte sich das System schnell zu einem Verkaufserfolg.

Das Konzept, dass auch von anderen Herstellern übernommen wurde, erlebte eine allgemeine Blüte und wurde um zahlreiche weitere Funktionen ergänzt. Der GPS-Sender, der die Ortung im Notfall ermöglichte, wurde mit Beginn der 2000er Jahre immer öfter auch für Navigationssysteme eingesetzt. Neben ernsthaften Unfällen wurden auch allgemeine Pannenhilfen schnell in das Angebot übernommen.

Weitere Verbesserungen wie Warnungen, wenn ein Defekt am Fahrzeug vorliegt und zu Ausfällen oder Schäden führen könnte sowie immer schnellere Verbindungen, die die jeweils neusten Mobilfunknetze verwendeten, bewirkten konstanten Fortschritt. Moderne Connected Cars können längst als WiFi-Hotspot mit hoher Datengeschwindigkeit die Smartphones der Insassen mit dem Internet verbinden oder Media-Inhalte in Echtzeit streamen.

Connected Cars für Unternehmen – Einsatzmöglichkeiten und Geschäftsfelder

Während der große Erfolg der Systeme zwar zum Großteil auf ihre private Verwendung zu Unterhaltungszwecken zurückzuführen ist, bieten sie auch für Unternehmen zahlreiche Vorteile. Ein entsprechend vernetzter Fuhrpark kann nicht nur Fahrtenbücher und ähnliche Maßnahmen ersetzen; durch die große Mengen an Bewegungsdaten und anderen Informationen können anhand mathematischer Modelle auch Vorhersagen für eine möglichst effiziente Nutzung der Fahrzeuge erstellt werden. Erhebliche Einsparungen von Zeit, Strecke und Kraftstoff sind das Ergebnis, von dem bereits zahlreiche Lieferdienste, Fuhrunternehmen und Firmen mit großer Anzahl an Dienstfahrzeugen profitieren.

Auch Versicherungen nutzen die neuerdings zur Verfügung stehenden Datenschätze, um Fahrer entsprechend ihres Verhaltens auf der Straße einzustufen. Dies kann sich auf die Versicherungskosten auswirken und bildet somit ein mögliches Werkzeug, um auch besonders rücksichtslose Fahrzeuglenker zum Einhalten der Straßenverkehrsordnung zu bewegen. Spezielle Tarife bieten darüber hinaus die Möglichkeit, die Versicherungssumme an die tatsächlich zurückgelegte Strecke anzupassen – ebenfalls dank der Daten der vernetzten Fahrzeuge.

Moderne Ride-Sharing Dienste setzen teilweise auf ähnliche Konzepte. Während ein privater PKW extrem ineffizient genutzt wird (er steht die meiste Zeit in einer Garage) und wir den Großteil aller Strecken nicht mit voller Auslastung zurücklegen, kann ein Share-Fahrzeug genau dann zum Einsatz kommen, wenn es gebraucht wird. Ist der jeweilige “Einsatz” abgeschlossen, kann der nächste Kunde einsteigen. Auch das aufsammeln weiterer Mitfahrer ist – wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie das Konzept verhagelt – über entsprechende Apps möglich. Diese Anwendungen profitieren von entsprechenden, in Echtzeit übertragenen Fahrzeugdaten, um den Fahrgästen ein ideales Erlebnis zu bieten.

Aufgrund seiner Größe ist der Connected Car Markt auch für Unternehmen auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern interessant. Es besteht nach wie vor großer Bedarf an entsprechenden Fahrzeug-Apps und Systemen sowie nach schnellen und zuverlässigen Cloud-Services, die oft das “Rückgrat” der vernetzten Autos bilden.

Unterschiedliche Kategorien von Verbindungen für unterschiedliche Zwecke

Fahrzeuge können eine Vielzahl unterschiedlicher Verbindungen herstellen – etwa von einem Auto zu einem Anderen oder zu einer zentralen Cloud. Ebenso vielschichtig sind die dahinter stehenden Anwendungszwecke.

Während cloudbasierte Verbindungen zum Internet (V2C – Vehicle to Cloud) häufig der Unterhaltung der Insassen dienen und zum Beispiel verwendet werden, um WiFi-Hotspots oder Musikstreaming-Dienste zur Verfügung zu stellen, sind andere Verbindungen eher Verkehrsorientiert.

Unter V2I – Vehicle to Infrastructure – versteht man Anwendungsfälle, in denen der Fahrer Umgebungsdaten erhält, die sie oder ihn im Verkehr unterstützen. Dies kann etwa Wetterdaten oder Staumeldungen umfassen. Auch Leitsysteme für Parkplätze und das Verkehrsmanagement in Städten sind beliebte Einsatzorte.

Die Verbindung zu Fußgängern und deren Smartphones (V2P – Vehicle to Pedestrian) ist ein ebenfalls angedachtes Konzept, dass potenzielle Vorteile für die Sicherheit im Straßenverkehr bietet. Seine Entwicklung befindet sich jedoch aktuell noch im Anfangsstadium. Ein derartiges System könnte es modernen Fahrtassistenten zum Beispiel ermöglichen, Fußgänger in der Umgebung anhand ihrer Handys oder Wearables unabhängig vom tatsächlichen Sichtkontakt zu orten und durch ihre Bewegungsmuster Zusammenstöße zu prognostizieren und zu verhindern. Auch die hochgefährlichen Unfälle im toten Winkel von Lastwagen könnten so verringert werden.

Autonomes Fahren vs. Connected Cars

Im Zusammenhang mit solchen modernen Assistenzsystemen und selbstfahrenden Autos wird häufig vom “Autonomen Fahren” gesprochen. Dabei werden Fahrzeuge oft als unabhängig agierende Verkehrsteilnehmer aufgefasst – eine grob falsche Vorstellung!  

Genau das Gegenteil ist nämlich der Fall: Jede Art von Verkehr, egal, ob die Teilnehmer von Menschen oder Computern gesteuert werden, ist nicht voneinander unabhängig, sondern stattdessen in höchstem Maße miteinander verbunden. Straßenverkehr ist eine “Gruppenaktivität”, bei der jeder Teilnehmer  aufeinander reagiert und übergeordneten Bewegungen und Mustern folgt. Würde sich ein Fahrzeug tatsächlich autonom, also unabhängig von seiner Umgebung, bewegen, wären dutzende abrupte Vollbremsungen, unnötige Beschleunigungen und eine generell erhöhte Unfallgefahr die Folge.

Um stattdessen den natürlichen Verkehrsfluss – dessen aufrechterhalten selbst erfahrenen menschlichen Fahrern schwerfällt, wie zahlreiche Staus tagtäglich beweisen – auf selbstfahrende Autos zu übertragen, ist ein hohes Maß an Interkonnektivität notwendig. Einzelne Fahrzeuge müssen Bewegungs-, Beschleunigungs- und Bremsdaten blitzschnell an ihre Umgebung weitergeben können, um einen sicheren und fließenden Verkehr zu ermöglichen.

Der Begriff des autonomen Autos ist daher als Unabhängigkeit vom menschlichen Fahrer, jedoch niemals von anderen Verkehrsteilnehmern zu verstehen. Wer Zukunftsszenarien von selbstfahrenden Autos, Bussen und LKWs realisieren will, muss daher unweigerlich auf eine Datenverbindung der einzelnen Teilnehmer setzen.

Mit dem anhaltenden Erfolg von ausgeklügelten Fahrassistenten rücken diese V2V Verbindungen daher immer weiter in den Fokus der Ingenieure. Damit einher geht ein dementsprechend wachsender Markt, in dem die Sensortechnik einen erheblichen Anteil haben wird.

Fazit

Die Mehrzahl neu produzierter Fahrzeuge erfüllt längst die Definition eines Connected Car – daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Im Gegenteil: mit der steten Verbesserung von Assistenzsystemen und der zunehmenden Digitalisierung unserer Umgebung, zu der wir vollen Zugang auch in unserem PKW erwarten, werden schnellere und bessere Verbindungen nur noch wichtiger werden.

Connected Cars bilden dadurch ein perfektes Beispiel für die fortschreitende digitale Transformation und die neuen Möglichkeiten, die mit ihr einhergehen. Sowohl die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer als auch der Komfort der Fahrzeuginsassen profitieren enorm von dieser Entwicklung.

Experten für Connected Cars

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